Erfahrungsbericht

„Mehr Migranten werden Lehrer“ ist eine Initiative der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, welche jungen Menschen mit Migrationshintergrund den Lehrerberuf näher bringen möchte, weil Lehrer mit Migrationshintergrund eine besondere Vorbildfunktion für Schüler mit ausländischer Herkunft einnehmen können und damit die Integration in Deutschland unterstützen.

Die Rundmail von Herrn Köhler machte mich auf das Projekt aufmerksam und ich entschloss mich nach einem persönlichen Informationsgespräch mit Frau Hoppe, einer ehemaligen Studentin aus der Uni Hildesheim, mich um eines der 30 Plätze zu bewerben. Ich erhoffte mir aus der Teilnahme, für mich evtl. neue Optionen oder Inspirationen in der Berufswahl aufzudecken.
Der 4-tägige Schülercampus fand in der Schulzeit statt, und obwohl ich dafür zwei Klausuren verpasst habe, hat es sich gelohnt.


Für Betreuung, Verpflegung, Unterkunft und Transport wurde von der Uni gesorgt und alle Beteiligten (Dozenten, Studenten, Lehrer etc.), die bei der Organisation mitgewirkt haben, haben ein sehr informatives und interessantes Programm zusammengestellt. Zwar war das Tagesprogramm immer ziemlich straff, dafür blieben keine Fragen unbeantwortet und innerhalb von 4 Tagen entstanden viele Freundschaften mit anderen Jugendlichen, die alle eins gemeinsam hatten: ein Migrationshintergrund. Teilnahmebedingung war, dass man in der gymnasialen Oberstufe ist und einen Migrationshintergrund nachweisen kann. Unter Migrationshintergrund versteht man, dass man selbst (1. Generation) oder mindestens ein Elternteil (2. Generation) eingewandert ist.
Um ehrlich zu sein, hatte ich in meinem Leben nie zuvor so viel Kontakt zu Gleichaltrigen mit Migrationshintergrund auf einmal.
Migration und Integration wurden mit Austausch persönlicher Erfahrungen während des Schülercampus z.T. heftig diskutiert. Aber dadurch entstand ein Gemeinschaftsgefühl, da man merkte, dass keiner mit seinen Erlebnissen und dem Gefühl von Ausgrenzung oder Frustration über Intoleranz und Ignoranz alleine stand.
Im Vordergrund stand aber vielmehr das Thema Lehrerberuf und welche Rolle er für Migranten spielt.
Wir (die Schüler) haben uns von unserer Schülerrolle distanziert und versucht, in die Lehrerrolle hineinzuschlüpfen.
Der Weg zum Lehrerberuf wurde von der Einschreibung an eine Uni über das Studentenleben und Referendariat zur Berufsausübung ausführlich behandelt.
Einerseits wurden Vorträge gehalten, Lehrer (aus versch. Schulformen bis auf das Gymnasium) standen für Fragen zur Verfügung, und andererseits durften wir Seminare in der Uni besuchen und an der Schulpraktischen Studie teilnehmen, d.h. mit den anderen Studenten Schulunterricht beobachten und ihn im Nachhinein evaluieren. Darüber hinaus erstellten wir ein Profil von dem idealen Lehrer und es gab einen Workshop , in dem finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten vorgestellt wurden.

Mein Fazit:
Alle, die es erwägen, Lehrer zu werden, es schon wissen oder noch keinen Plan haben, sollten sich für den jährlichen Schülercampus bewerben. Ich habe neue Überzeugungen, ein anderes Bild vom Lehrerberuf (unabhängig von meiner Meinung über die Lehrer an unserer Schule) und viel Motivation mit nach Hause genommen. An dieser Stelle würde ich gerne alle Lehrer am Ratse dazu bewegen, talentierte und engagierte Schülerinnen und Schüler (mit Migrationshintergrund) auf besondere Stipendien wie dem START-Staatsstipendium so wie Projekte wie dem „Mehr Migranten werden Lehrer“ aufmerksam zu machen.
An die Lehrer und Lehrerinnen mit Migrationshintergrund: Es gibt das Netzwerk „ Lehrkräfte mit Migrationshintergrund“. :-)

Tramy Nguyen (Schülerin des 12. Jg)

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