Spanisches Theaterstück „La Casa de Bernarda Alba“
Spanisches Theaterstück „La Casa de Bernarda Alba“: Erst Baby, dann Schaf und eigentlich nur Decke
Am 16.3. 2011 hat der DELE-Kurs (JG 10) das spanischsprachige Theaterstück „La casa de Bernarda Alba“ im Theater am Aegi in Hannover besucht. Nach „Don Quijote“ im letzten Jahr, gastierte das britische TNT Theatre (in Zusammenarbeit mit dem Teatro Terruño aus Costa Rica) schon zum zweiten Mal im Aegi. Während die Schüler sich beim Quijote vor Aufführung des Stückes intensiv mit Inhalt und Sprache auseinandergesetzt hatten, so standen sie bei dem Werk von Federico García Lorca vor der Herausforderung, ohne Vorbereitung in eine spanischsprachige Tragödie hineingezogen zu werden:
„Bernarda Alba lebt gemeinsam mit ihren fünf Töchtern, ihrer alten Mutter und zwei Mägden in einem andalusischen Dorf. Als Bernardas Ehemann stirbt, wird sie zur Herrin des Hauses. Da sie sehr um die Familienehre besorgt ist, führt sie ein tyrannisches Regiment, das ihren unverheirateten Töchtern das Leben schwer macht. Besonders zwischen ihr und der jüngsten Tochter Adela kommt es häufig zu Konflikten. Die älteste Tochter Angustias, die als Einzige von ihrem verstorbenen Vater geerbt hat, plant eine Hochzeit mit Pepe El Romano. Dieser jedoch trifft sich heimlich mit der hübschen Adela, die aus dem gesellschaftlichen System auszubrechen versucht. Als die Mutter das Verhältnis entdeckt, bahnt sich eine Katastrophe an ...“ (Quelle: http://www.schauspielbuehnen.de/spielstaetten/international-theatre/stuecke-des-international-theatres/theaterstuecke/stueck/la-casa-de-bernarda-alba-drama-de-mujeres-en-los-pueblos-de-espana.html#jump, 2.4.2011)
Auch wenn der aufgrund seines Konfliktpotenzials zumeist schreiend vorgetragene Text das Verständnis zusätzlich erschwerte, so waren die Schüler doch in der Lage, nicht nur den Handlungsablauf sondern auch Details zu verstehen. Nicht unwichtig dafür waren die Inszenierung und Bühnenausstattung. Bernardas Haus verwandelte sich über vier bewegliche Wände zu immer wieder neuen Gefängniskonstellationen. Zwei ihrer fünf Töchter wurden von menschengroßen Handpuppen in schwarzem Gewand mit weißer Maske dargestellt und offenbarten so ihren marionettenhaften Charakter. Ebenso eindringlich im Gedächtnis bleibt die Szene einer feuerroten Flamencotänzerin, die im Scheinwerferlicht den absoluten Kontrast zu Bernarda Alba und damit all die Sehnsüchte ihrer Töchter nach Freiheit und Sinnlichkeit verkörperte. Und schließlich brachte die reduzierte Bühnenausstattung auch immer wieder Lacher, was nicht unwichtig für sprachlich schwer verständliche Passagen ist. So kommentierte ein Schüler nach Ende des Schauspiels trocken eine Szene, in der die verrückte Mutter Bernarda Albas wild und etwas lüstern über die Bühne gefegt war und dabei etwas Blaues erst im Arm gewiegt und dann angeblökt hatte: „Erst dachte ich das blaue Ding wär’ ein Baby, dann wurde das ja irgendwie zum Schaf und eigentlich war’s ja nur eine blaue Decke“.
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